| Interview Dr. Dieter Kainz: "Einschnittskapazitäten werden nicht gehalten, Pellets im Schweinezyklus" |
| 08/01/2007 - 11:48 |
Gute Marktchancen dank höherer Verarbeitungstiefe hat die Sägeindustrie auch weiterhin. Die geänderte Rohstoff-Verteilung und die Überhitzung am Bioenergiemarkt bringen neue Spannungen in die Wertschöpfungskette, erläutert DI Dr. Dieter Kainz im Interview mit Anton Sprenger, Holzforschung Austria.
Herr Dr. Kainz, wie bewerten Sie als Obmann der proHolz Austria und Leiter Marketing und Sales der Stora Enso Timber die mit dem Energieholz-Boom geänderten Rohstoffströme. Sind die Holzmobilisierungskapazitäten überfordert?
Die Rohstoffversorgung ist in der Tat eine der größten Herausforderungen der nächsten Monate und Jahre. Infolge regelmäßiger Kalamitäten war Holz bisher gut verfügbar. Aber mit dem Boom bei Energieholz und dem Kapazitätsausbau der Sägeindustrie auch in den Nachbarländern haben wir uns das „Wasser“ selbst abgegraben. Selbst wenn in Österreich noch 1,5 Mio. fm Sägerundholz mobilisiert werden, fehlen im Land noch 3 Mio. fm.
Auch europaweit wird der Rundholz-Mangel zum Problem. Wie groß ist die Bedrängnis für die Säge-, Platten- und Papierindustrie wirklich?
Frühere Exportländer wie die östlichen EU-Mitgliedsländer sowie andere osteuropäische Länder wie Russland und die Ukraine werden künftig weniger, aber dafür teureres Rundholz exportieren, das von Staatsforsten teilweise sogar versteigert wird. Über kurz oder lang wird es in Europa einheitliche Rohstoffkosten geben. Die Holz- und Papierindustrie wie auch die Plattenindustrie muss also künftig mehr denn je europäische Maßstäbe bei ihrer Versorgung ansetzen.
Welche konkreten Auswirkungen hat diese Entwicklung auf die Struktur (Konzentrationsprozess) der Holzindustrie in Mitteleuropa?
Die Restrukturierung wird weitergehen. Schnittholz hat die frühere Preislücke zu anderen Commodities wie Stahl, Beton und Schotter bereits geschlossen. Der Markt zwischen den Konkurrenzprodukten am Bau bleibt damit gespannt – in Gesamteuropa können die Einschnitt-Kapazitäten voraussichtlich nicht gehalten werden. Bei künftigen Investitionen in der Sägeindustrie wird man also über die „richtige“ Werksgröße in Zusammenhang mit der Versorgungsmöglichkeit und eine angeschlossene Verarbeitung nachdenken müssen. Nur so ist die Umsatzrentabilität auf Basis einer gesteigerten Verarbeitungstiefe zu erhalten. Mit dem großen Marktportfolio von Stora Enso können wir fast alle Märkte bedienen. Aufgrund des hohen Weiterverarbeitungsgrades und der daraus resultierenden geringeren Transportkostenempfindlichkeit unserer Produkte sind wir gut aufgestellt.
Generell ist in der Sägeindustrie seit 10 Jahren eine Vorwärtsintegration zu beobachten. Ein Novum ist, dass die Säge-Branche heute sehr kurzfristig agieren muss, das heißt die Zyklen haben sich geändert. Der Unbestimmheitsgrad für Betriebe ist gestiegen.
Platten- und Papierindustrie doppelt betroffen
Die Platten- und Papierindustrie ist vom Energieholz-Boom doppelt betroffen. Einerseits wird die Versorgungssicherheit zunehmend schwieriger, andererseits produzieren diese Branchen sehr energieintensiv. Die Sägeindustrie braucht beide Partner. Die Überhitzung des Pelletsmarktes ist insgesamt gesehen problematisch. Die Investitionen in diesem Bereich entsprechen dem klassischen Schweinezyklus.
Was kann die international abgestimmte Holzwerbung hier in Zukunft bewirken?
Die Marketingüberlegungen bei proHolz gehen über die Produkte hinaus. Die Erfolgsstory der Holzwerbung in Italien zeigt, dass wir auch Fachwissen an Architekten und gewerbliche Verarbeiter vermitteln müssen. Nur der richtige Holzeinsatz fördert die vermehrte Verwendung dieses Werkstoffes nachhaltig. So wurde das Werbe-Budget von der klassischen Werbung bis hin zum Wissenstransfer neu gewichtet. In Tschechien, einem früheren Netto-Holzexporteur ist man mit proLignum seit zwei Jahren engagiert. Die steigende Holzverbrauchsentwicklung kommt bereits heute auch der heimischen Sägeindustrie zugute.
Wie kann Europa´s Holz verarbeitende Industrie auf anderen Kontinenten weiterhin punkten?
Die heimische Holzindustrie hat aus Sicht von Stora Enso weiters gute Marktchancen auch in Nordafrika und in Asien. In Nordamerika war der Markt für Nadelschnittholz immer extrem volatil. Das Wachstum sollte in den USA Ende 2007 wieder nach oben zeigen. Kanada tut sich hier mit hohen Frachtkosten und Qualitätsproblemen schwer, die traditionellen Märkte der Europäer anzugreifen. Im Gegensatz dazu wird Europa einen Teil seiner Märkte längerfristig an Südamerika verlieren.
Welche Anforderungen hat ein internationaler Konzern an F & E sowie Prüfung und Überwachung?
Die Forschung soll die Industrie dabei unterstützen, zu besseren Standards zu gelangen. Allein die Anzahl der Querschnitte bei Bauprodukten wie KVH liegt in Europa laut Auskunft der Gütegemeinschaft KVH bei 300. Gerade die Fertighausindustrie will spezielle Querschnitte. Wenn wir hier die Sortimente nach dem 80/20-Prinzip reduzieren, wirkt sich das positiv auf die Logistikkosten aus. Auch das US-amerikanische 2x4-System erlaubt individuelles Bauen mit einer wesentlich geringeren Anzahl von Dimensionen.
Viele Ideen werden von der Wirtschaft an die Forschung herangetragen und werden dann dort weiterentwickelt. Von guten Produkten profitieren dann viele Hersteller einer Sparte – siehe etwa Brettschichtholz. Wichtig ist, dass die Forschung international zusammenarbeitet.
Stora Enso will Holzbau-Elemente in Kärnten produzieren. Steigt das Unternehmen in den Holzbau ein?
Die Vermarktung unseres Brettsperrholzes startet 2008. Das Besondere an unserem Produkt ist die verbesserten Eigenschaften, die zusammen mit Universitäten vorangetrieben wurde. Mittels „mitgeliefertem“ Ingenieurwissen soll dieses Produkt auch richtig verwendet werden. Das Produkt soll am Standort Bad St. Leonhard soweit wie möglich optimiert endgefertigt werden. Vertrieb und Marketing sind größere Herausforderungen.
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| (Anton Sprenger, |
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