Schafft es Valmet, die Technologieführerschaft bei den Forstmaschinen zu übernehmen? Der Einfluss der Forstunternehmer auf die Entwicklung der Valmet Harvester und Forwarder steigt. "Wir müssen mit den Kunden reden", forderte KomatsuForest-Chef Thosio Miyake auf der Pressekonferenz am 14. April 2008 in Umeå, Schweden. Ungewöhnlich offen sprach Miyake an, dass man gegenüber Mitbewerbern ins Hintertreffen geraten sei. Die Maxi-Maschinensteuerung sei ein Beispiel, die Zuverlässigkeit der Harversterköpfe ein anderes. Er nutzte die Präsentation der neuen Harvester 901.4, 911.4 und 941.1 sowie der Forwarder 840.4 und 860.3, die neue Unternehmensstrategie vorzustellen. Aber was interessieren einen Forstunternehmer die mit japanischen Begriffen wie "Genba", "Genbutsu" oder "Genjutsu" belegten neuen Managementmethoden in Umeå? Zumindest sollte er dank dieser nicht mehr so lange auf gewünschte Produktverbesserungen warten müssen. "Wir wollen die Entwicklungszeit für neue Produkte um 30% reduzieren", kündigte der Miyake auf der Pressekonferenz an.
Bei den Neuheiten stehen die größere Harvester-Kabine, die balancierten Bogies in Valmet-Spezialausführung sowie die Maschinensteuerung MaxiXplorer im Vordergrund. Wer von den Journalisten einen Starkholz-Harvester oberhalb des Valmet 941 erwartet hatte, sah sich von den Gerüchten getäuscht. Valmet setzt darauf, die bestehenden Forstmaschinenkategorien für die Herausforderungen der Forstunternehmer in den kommenden Jahren fit zu machen. Bei den Harvester steht dabei die Allroundmaschine Valmet 911.4 im Fokus.
Valmet Comfort-Bogie
Trotz temporärer Probleme der europäischen Holzindustrie wird die schwierige Rundholzversorgung eines der beherrschenden Themen der gesamten Branche während der nächsten Jahre bleiben. Für Forstunternehmer in Skandinavien, allen voran Finnland, bedeutet das verstärkt Einsätze in die ungeliebten Durchforstungen auf Moorböden zu fahren. In Mitteleuropa gilt es die Holzvorräte in den Hängen zu nutzen. "Mit dem neuen Harvester 911.4 sind wir Klassenbester bei der Steigfähigkeit am Berg", ist Andreas Lockert, Valmet Produktmanager Europa, von den neuen Bogies und der von 133 kNm auf 162 kNm gestiegenen Zugkraft überzeugt.
Aber ist Valmet mit balancierten Pendelachsen den "Mitbewerbern um 2-3 Jahre voraus", wie es CEO Miyake fordert? Balancierten Bogies von NAF sind doch eigentlich ein alter Hut? Bei Valmet hat man aber versucht, die Nachteile der bis 2006 exklusiv bei Timberjack / John Deere eingesetzten Radaufhängungen durch die Erfahrungen des eigenen Bogie-Baus auszugleichen oder abzumildern: Problematischer Einsatz auf Feuchtböden und Reparaturanfälligkeit. "Unser Bogie ist ein guter Kompromiss, der Einsatz auf Feuchtböden ist weiter möglich", versprach der für den Harvester 911.4 verantwortliche Produktmanager Tobias Ettemo. Auf nassen Standorten war bislang die Schwierigkeit, dass sich das vordere Räderpaar durch die beiden Planetengetriebe erzeugten Ausgleichsdruck in den Boden eingraben konnte. Beim ebenfalls von NAF gelieferten Valmet Comfort-Bogie begegnet man diesem Nachteil mit einer geringeren Zähnezahl in den Planetengetrieben. Ettemo spricht von einem "nicht 100% balancierten Bogie."
Noch wichtiger als beim Harvester ist der Einsatz des Comfort-Bogies bei den Forwardern 840.4 und 860.4. "Der Wunsch nach einem balancierten Bogie für den Einsatz am Hang kam besonders von den Forstunternehmern aus Mitteleuropa", bestätigt Lockert die engere Kommunikation zwischen Kunden und der Entwicklungsabteilung in Umeå. Mit Comfort-Bogie, um 10% auf 126 kNm erhöhter Hubkraft des CRF 11 Krans und der auf 175 kNm (+10%) erhöhten Zugkraft hat es der Forwarder 860.4 nach Einschätzung von Andreas Lockert nun ebenfalls geschafft, die Mitbewerber zu überholen.
Zu den Achsen und Verbesserungen bei der Forwarderkabine kommen noch der um 20 mm größere Achsabstand hinzu, der die Monatage von Ketten erleichtert.
Auf den neuen Bogie muss der Durchforstungharvester 901.4 verzichten. Das mach aber auf de zweiten Blick durchaus Sinn. Der finnische Forstmaschinenmarkt – immerhin für Valmet der zweitwichtigste hinter Schweden und vor Deutschland – spielt dabei eine Rolle. Die Rundholzimporte aus Russland stehen der finnischen Holzindustrie nicht mehr zur Verfügung. Dies kann nur durch Durchforstungen auf Feuchtböden ausgeglichen werden. Finnlands Holzindustrieverband geht davon aus, dass nach der Einschlagssteigerung von 25% auf 53 Mio. fm in den finnischen Privatwäldern die Holzernte in diesem Jahr noch einmal um 10 Mio. fm gesteigert werden muss. "Wir brauchen in Finnland keine Spezialmaschinen für die Moorböden, gefragt sind leichte Standard-Harvester und –Forwarder, die mit Zubehör auf die Verhältnisse angepasst werden", verweist Timo Korhonen, Valmet Marketing Manager Finnland, auf das Gewichtsargument.
Kabinen a`la Valmet 941
Die Harvester Valmet 911.4 und 901.4 verfügen über neue Fahrerkabinen. Die Kabinenlänge hat sich um 18% auf 184 cm erhöht. Die Breite vergrößerte sich um 6%, von Fenster zu Fenster gemessen. Zudem ist die Kabine um 17 cm höher, vom Fahrersitz aus gemessen. Damit sind die höchsten Innenabmessungen für Harvester auf dem Markt erreicht. Die Fahrerkabine ist jetzt so groß, dass problemlos ein Ausbilder in der Kabine mitfahren kann. Der Fahrersitz lässt sich um 180° drehen.
Maschinensteuerung MaxiXplorer – Neukonstruktion statt Flickwerk
"Es war einfach Zeit für eine grundlegende Neuprogrammierung", beschreibt Lockert die Notwendigkeit, die Maschinensteuerung nicht durch eine weitere Variante zu verbessern. Das System besteht sowohl aus einer neuen Hard- als auch einer neuen Software. Mit einem neuen Basiscomputer, einem neuen PC, separatem Bildschirm und einem neuen Fahrgestellcomputer ist eine innovative Funktionalität, höhere Qualität, gesteigerte Systemleistung, verbesserte Benutzerfreundlichkeit und größere Servicefreundlichkeit gegeben.
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